Windhoek ist ein Ort der Übergänge. Eine Überraschung sind für Erstbesucher sicher die vielen erhaltenen und liebevoll restaurierten, deutschen Gebäude aus der Kolonialzeit. Morgens liegt der Duft von Gebäck und frisch geröstetem Kaffee in der Luft. Studierende warten mit ihren Laptops an Bushaltestellen, nur wenige Schritte weiter preisen Marktfrauen Gemüse an. Die grösste Stadt von Namibia sendet also mühelos auf mehreren Sequenzen.
Tatsächlich auffällig sind in Windhoek der Kontrast und das Spannungsverhältnis zwischen Gestern und Heute sowie das bunte Völkergemisch, das die Strassen der Stadt so lebendig macht. Doch auch nach Ende der Apartheid leben Schwarz und Weiss noch oft voneinander getrennt – die schwarze Bevölkerung in den gesichtslosen Vorstadtsiedlungen Katutura und Khomasdal und die meisten Weissen – hinter Stacheldraht und hohen Mauern verschanzt – in den nicht minder gesichtslosen Villenvierteln primär in Klein-Windhoek und Ludwigsdorf. Die Unterschiede zwischen den Menschen bleiben also enorm. Die Folgen der Apartheid sind nicht überwunden und die Landreform kommt noch immer schleppend voran, die Ungleichverteilung von Reichtum ist kaum irgendwo in der Welt so krass wie in Namibia. Und dennoch: Im Alltag ist deutlich zu sehen, wie die Barrieren zunehmend bröckeln und sich die Bevölkerungsgruppen langsam vermischen.
Was ich persönlich schwierig finde ist, wenn man als Tourist eine Führung durchs Township und die informal settlements – wie dieser Teil Katuturas genannt wird – bucht. Hier leben Hunderte von Arbeit suchenden, meist jungen Menschen aus dem Norden Namibias. Ihre Behausung bauen sie selbst, aus Abfall. Sie leben in katastrophalen Verhältnissen!
Wir nehmen unser Mietauto in Empfang. Es ist mit zwei Ersatzrädern und einem Doppeltank (140 Liter) ausgestattet. Wir wollen kein Risiko eingehen. Die Instruktion für Radwechsel etc. wurde mit viel Sorgfalt durchgeführt.
Nun geht es los! Bald machen wir einen kurzen Stopp bei der Christuskirche. Danach lassen wir die Stadt hinter uns und vergessen das ganze Gehupe und Gewusel. Unterwegs halten wir und kaufen Wasser (mind. 5 Liter pro Person ist Pflicht!) und etwas an Lebensmitteln ein. Wir fahren mit einheimischem Radiosound, einem stickenden Dufttannenbaum in der Lüftung und frisch gebratenden Pouletschenkeln auf der Rückbank durch die hügelige grün-rote Landschaft.
Nur etwa eine Stunde und 89 Kilometer südlich von Windhoek erwartet uns dann der ruhige Lake Oanob und wir machen bereits wieder Halt. Wir sind komplett alleine mit drei Pelikanen, Eidechsen und, wir sehen auch bereits die erste Schlange 🙈
Nach diesem kleinen Stopp geht es weiter in die Kalahari, die sich über Botswana, Südafrika und Namibia erstreckt und «der grosse Durst» bedeutet. Die Kalahari Region Namibias ist Teil einer 2,5 Millionen Quadratmeter grossen Wüste, einer der grössten zusammenhängenden Sandfläche der Erde.
Die Kalahari besticht wirklich durch ihre unendliche Weite und ihre intensiv leuchtenden Sanddünen. Der Wind formt die Dünen-Wellen, die für die Landschaft in der Kalhari charakteristisch sind. Es dominieren Gräser, Dornensträucher und Akazienbäume, die alle die langen Trockenperioden von mehreren Monaten im Jahr überstehen können. Auch viele Tierarten haben sich an die Begebenheiten der Wüste adaptiert. So kann man Gemsbock, Impala und Schakale beobachten. Doch wenn man die Augen offen hält, merkt man, dass auch kleine Käfer, Spinnen und Eidechsen den glühend heissen Sand bevölkern! Grosse Teile der Kalahari sind übrigens als Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Wir machen natürlich halt beim Tropic of Capricorn: Weshalb nur wollen alle dieses Schild fotografieren? Nein, es hat nichts mit dem Äquator zu
tun, aber du überquerst dort eine andere imaginare Linie der Erde: den südlichen Wendekreis. Er markiert den südlichsten Punkt, an dem die Sonne zur Sommersonnenwende senkrecht steht: etwa
am 21. Dezember steht die Sonne dort mittags fast direkt senkrecht, weshalb die Schatten dann extrem kurz sind. Der Name, also «Tropic», kommt ursprünglich vom griechischen Wort für «Umkehr» bzw.
«Wendung» der Sonne – daher WENDEkreis.
Und warum «Capricorn»? Vor ca. 2000 Jahren haben Menschen den Himmel beobachtet und festgestellt, dass die Sonne wahrend der Dezember-Sonnenwende im Bereich des Sternbilds Capricornus stand. Deshalb wurde diese Breitenlinie «Tropic of Capricorn» genannt. Also: Wendekreis des Steinbocks.
Kurz darauf erreichen wir unsere erste Lodge, sie ist wunderschön gelegen. Hier werden wir zwei Nächte verbringen und langsam ankommen in diesem schönen Land.
Beim Sonnenuntergang queren bereits die ersten Tiere unsere Lodge – es sind Streifengnus. Lias sieht ein Erdmännchen. Das Abendessen ist sehr fein und die Athmosphäre mit dem knisternden Feuer ganz gemütlich.
***
«Und dann muss ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hinzuschauen.» (Astrid Lindgren)
































Kommentar schreiben