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Namibia | Tag 7 | Solitaire und Swakopmund


Es ist kühl heute morgen. Das hat sich bereits gestern abgezeichnet mit dem Vorboten Nebel an der Küste und dem Nachtessen im Innern – bisher haben wir hier jeweils Draussen gegessen. So wurde das leider auch nichts mit unter freiem Himmel pfuusen. Zwei Jungs aus Kanada haben es aber ausprobiert. Ob sie wohl durchgehalten haben? Ich jedenfalls hatte auch so eine ganz schlimme Nacht. Die Düne zusammen mit dem Flugadrenalin war zuviel des Guten 😩 Was ich gestern schon gespürt habe, ist eingetroffen. Es hat mich gecrasht. Doch heute haben wir «nur» Fahrt vor uns und Morgen haben wir für den Vormittag noch keine Pläne und ich kann es ruhig angehen lassen. Ausschlafen. Da hat auch Lias nichts dagegen 😉


Wir fahren um 9.30 Uhr los und machen Halt in Sesriem um die Bewilligung für die Strasse durch den Nationalpark Namib Rand Nature Reserve zu erhalten und zu Tanken. Jede Möglichkeit zu Tanken sollte genutzt werden, man möchte nämlich nicht riskieren mit einem leeren Tank irgendwo im Nirgendwo auf einem sandigen Pfad liegen zu bleiben! Essen hätten wir zwar genug 😅

 

Bald machen wir Halt in Solitaire. Das erste was einem als Besucher, der Solitaire erreicht, auffällt, sind die vielen Autowracks, die malerisch an den Strassenrändern drapiert sind. Die Fotosujets kennt man aus diversen Reisemagazinen oder Reiseführern. 


Die kleine Farmsiedlung liegt strategisch günstig an zwei wichtigen Fernstrassen in einem sehr dünn besiedelten Gebiet Namibias und wird daher von vielen Reisenden als Zwischenstopp genutzt. Doch mehr als die Tankstelle, die scheinbar nicht immer Sprit hat und ein paar Farmhäusern, einem Tante Emma Laden, einer Kapelle und der bekanntesten Bäckerei Namibias mit angegliedertem Café, gibt es hier nichts zu sehen. Trotzdem ist es als Namibiareisender ein Schlaraffenland! Hier kann man alle essentiellen Grundbedürfnisse – Diesel, Wasser und Bargeld, decken – die in der Wüste einen exponierten Stellenwert haben. Deshalb ist Solitaire viel mehr als nur ein Tankstopp, hier finden viele Reisende zusammen. Viele Gesichter kommen einem bekannt vor, hat man doch den ein oder anderen Abend gemeinsam bereits in einer Lodge verbracht. Sowieso haben wir bisher immer wieder dieselben Leute getroffen, welche bereits im Flieger waren. Wie auch heute wieder die 6köpfige Familie die bisher immer in denselben Lodges war wie wir. Sie fahren auch ganz bis zum Kaprivistreifen hoch, wir werden uns also allenfalls wieder über den Weg laufen. Wir wissen es hier noch nicht: Bereits beim Abendessen werden wir uns im Restaurant wieder sehen. Verrückt 😂


Wir geniessen ein Stück Apfelkuchen. Nun ja, wirklich gut ist anders… Ehemals ist dieser Apfelkuchen von Moose McGregor, der eigentlich Percy Cross hiess – ein schottischer Bäcker und Abenteurer, der vor über 20 Jahren mitten in der Wüste anfing, Backwaren an der Tankstelle zu verkaufen, unter anderem den Apfelkuchen nach einem alten Familienrezept. Viele beschrieben ihn als extrem herzliche Persönlichkeit. Er starb 2014, aber sein Vermächtnis bleibt und sogar sein Grab liegt direkt bei der Bakery.


Fun Fact: Die Äpfel kommen aus der Dose. Apfelbäume mitten in der Wüste? No way. Und auch frische Äpfel in der Menge liefern zu lassen, wäre logistisch total irrsinnig.


Beim Verlassen des Shops gilt es noch einen Blick auf die Regentafel zu werfen, hier wird akribisch Buch geführt über den aktuellen Niederschlag und den Niederschlag vergangener Jahre. Viel ist es nicht. 


Die Strasse von Sesriem nach Swakopmund ist in einem schlechten Zustand. Es rumpelt grauenhaft und mein Plan zu Schlaf zu kommen, scheitert kläglich. Wir fahren durch reizvolle Passagen, doch auch viel langweilige Einöde hält der Tag für uns bereit. Wir sehen zwischendurch Strausse, Oryxe oder Steinböcke und kommen der Küste immer näher. Je näher wir dem Meer sind, umso kälter und dunstiger wird es. 


Am frühen Abend kommen wir in Swapkopmund an. Das verträumte Küstenstädtchen mit hübscheren und weniger hübschen Gebäuden, liegt direkt am rauen Atlantischen Ozean. Die kleinen Boutiquen und Restaurants direkt am Strand unterstreichen das Flair von Swakopmund. Swakopmund wurde 1892 von deutschen Kolonisten gegründet, und diesen Einfluss sieht man überall. In der klassisch, deutschen Kolonialstadt sind nicht nur die Strassennamen in deutscher Sprache, man findet laut Reiseführer auch Schwarzwälder Kirschtorten in den Cafés oder Essiggurken im Supermarkt. Auch unser Hotel erinnert an Ferien irgendwo in Europa. Für uns ist es gerade eine krasse Umstellung: Von der Wüste direkt in die Stadt, von der Wärme in die Kälte (13 Grad) und von der Sonne in den Nebel… Ich hole den Wollpullover hervor.

 

Swakopmund übrigens hat sich den Ruf als Abenteuerreiseziel geschaffen und bietet ein grosses Angebot an Aktivitäten von Squad fahren über Kamelreiten und Ausfahrten mit dem Katamaran. Ist alles nicht so das Unsrige. Wir entscheiden uns einzig für eine Tour an der Küste entlang und hoffen, wir sehen vor lauter Nebel was. Doch dazu morgen mehr.


Wir geniessen ein feines Nachtessen und dazu den Malawi Shandy – das ist ein sehr beliebter, erfrischender und alkoholfreier Drink aus dem südlichen Afrika, vorallem aus Namibia. Er hat uns schon die letzten Tage begleitet. 


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